Was Paris Hilton zum Rollenverständnis des Projektleiters beizutragen hat.

Auf folgende Erfolgstipps von Paris Hilton stieß ich beim Lesen der brand eins:

1. Die einzige Regel: Sei nie langweilig – und zieh dich scharf an. Das Leben ist zu kurz, um unauffällig herumzulaufen.
2. Sei selbstbewusst, glaub an dich – und jeder ist geil.
3. Denk nicht zu viel nach, träum nicht herum, werde aktiv.
4. Zeig, was du drauf hast, und du bekommst, was du willst.
5. That’s hot!
6. Genieße jeden Tag, als wäre es dein Geburtstag.
7. Hör auf deinen Papa, streng dich an und mach, was dein Herz dir sagt.

(zitiert nach/ gefunden in brand eins WAS WIRTSCHAFT TREIBT in Ausgabe 11/2010 im Artikel Die Ich-AG auf Seite 20)

Das ist schon mal starker Tobak. Da aber bei der Übersetzung zwei Punkte weggelassen wurden (Punkt 5 und 9 der Original-Liste) und auch der Sinn leicht modifiziert bzw. bereits interpretiert wurde, lohnt sich das Erarbeiten der Thesen anhand der Original-Zitate :

1. “The only rule is don’t be boring and dress ‘cute’ wherever you go.  Life is too short to blend in.”

Nicht langweilig zu sein, ist möglicherweise keines der Hauptmerkmale der Projektleiter-Rolle, allerdings gibt es genug spannende Momente, in den der Projektleiter für Aufregung (seine oder die des Publikums) sorgen kann: Lenkungsausschuss, Workshop mit 20 Teilnehmern zu neuen Themen, Ressourcendiskussion, Wochenarbeit anordnen oder mäandrierende Fehlerdiskussionen (is this a bug or a feature). Folglich würde ich nicht langweilig zu sein nicht in den Bereich der Kernfunktionen der Rolle einordnen, aber durchaus als erfüllt ansehen. Sich, ja was heißt nun cute: hübsch, niedlich, possierlich anziehen? Besser nicht. Meint es aber: sich aufgeweckt, pfiffig, schlau anzuziehen, womöglich, hier überziehe ich den Übersetzungsspielraum von cute möglicherweise etwas: dem Anlass entsprechend anzuziehen, dann muss man das als Mitglied der Projektleiter Riege unterzeichnen. Beim knackigen Abschlusssatz ist eindeutig Zustimmung fällig, sich einfach einzufügen kann zu Beginn des Projekts noch sinnvoll sein, wenn’s aber darum geht einen Projektabschluss zu finden, bleibt man doch besser bei seinem Ding und bezieht eindeutig Stellung.

2. “I think it’s important … to be confident.  Believe in yourself, and … everybody’s hot.”

Genau, worüber reden wir hier, selbstbewusst auftreten, zuversichtlich auf Zahlen und Termine schauen, Qualität passt schon, ab dafür und alle arbeiten am gleichen Ziel.

Vorsicht: wenn alle heiß sind, dann kann das einen guten Projektflow ergeben oder man läuft heiß – wäre doof und daher gilt hier gleich wieder die Eingangsregel: selbstsicher und frohgemut die Milestones erfüllen.

3. “I don’t really think, I just walk.”

Klingt erstmal komisch im Zusammenhang mit der Rolle des Projektleiters – aber halt – das passt auch.

Gemeint ist: nicht zuviel denken, nicht zerdenken, nicht akademisch werden.

Entscheidungen sind zu treffen, dann werden diese durchgezogen vom Team und idealerweise bringen diese Entscheidungen auch das Projekt vornan, wenn nicht muss gegengesteuert werden.

Das ist keine Aussage gegen Lessens Learned aber auch hier gilt die Regel: ansehen, Fehler aufzeigen, beim nächsten Mal besser machen. Und weiter.

4. “It will work. I am a marketing genius.”

Ist nahe an Rollenverständnis Nr. 2 erweitert aber die These deutlich – hier geht es um Eigenmarketing, sogar um einen Geniestreich der Eigenwerbung. Und ja, das ist nicht uninteressant: die richtige und vorteilhafte Darstellung der eigenen Person und Rolle und des Projektstands kommt gut an. Zu beachten ist hierbei, dass das halten sollte bis man wieder in der eigenen Company ist und ein paar Tage danach auch noch, es gibt doch nichts Blöderes, als wenn man gerade die Ruhmestaten verkündet hat und parallel platzt die Schreckens-E-Mail der Kollegen in die Aufführung, was aufgrund mobiler Endgeräte angedockt an Exchange Server immer im Bereich des Denkbaren liegt. Grundsätzlich ist aber richtig: it will work!

5. “I’d imagine my wedding as a fairy tale… huge, beautiful and white.”

Diese Aussage enthält zwei wesentliche Elemente, die den Zuhörer binden: zum einen die Hochzeit, die hier als Film-Klischee aufgerufen wird: groß(artig), (wunder)schön und „in weiß“ und zum anderen das Element der Imagination und des Märchens. In sich geschlossen, wird es spannend, wenn man den Part der Imagination vom Hochzeits-Klischee löst und für sich betrachtet. Was sollte schon die strenge, Controlling betreibende Rolle des Projektmanagers mit dem Zauberwort Imagination zu tun haben? Viel und mit Märchen noch viel mehr. Das Rollenverständnis sollte über reines Nachhalten von Time, Budget, Quality anhand von Kennzahlen hinausgehen. Die Rolle sollte eben genau Ideen hervorbringen in den Situationen, die nicht im allumfassenden GPM-Handbuch nachzuschlagen sind. Aktiv sein, nicht reaktiv sein und wenn das Unlösbare als Märchen gangbar scheint, dann ist das eben auszuprobieren, bevor die Rolle Projektmanager zur Eskalation (nach Lehrbuch) greift. Motto des Monats: Ich stelle mir ein Projekt vor, was am vereinbarten Termin innerhalb des verhandelten Budgets mit den angeforderten Funktionen fertig wird. Na, wenn wir hier(für) nicht den Raum des Märchens betreten (dürfen) …

6. “That’s hot!”

Jaaa, das kann vieles heißen. Im Leo.org-Forum-Englisch wurde der Ausspruch bereits 2006 diskutiert und in vulgäre oder brave Alternative zerteilt. Wir haben es da einfacher, da die Rolle des Projektmanagers in jedem Falle eine seriöse ist.

Zunächst einmal passt der Spruch in jeder Situation, er ist universell anwendbar: Lenkungsausschuß, Kirsenmeeting, IST-Stunden zu SOLL-Stunden-Abgleich: That’s hot! Passt einfach.
Er ist auch allumfassend: Ganz eng an der wörtlichen Bedeutung: Das ist heiß! Mit mehr Spielraum: Das überrascht mich (jetzt)! Wortärmer: Hammer! Wortgewaltiger: Die Situation in der wir uns gerade befinden, könnte entscheidender nicht sein!
Es ist der Universalsatz, den der Projektmanager immer fallen lassen kann, um sich ein paar Minuten Zeit zu verschaffen, um dann in das eigentliche Thema einzusteigen. Mit dem Satz hebelt man für einen kurzen Moment das Raum-Zeit-Kontinuum aus, bevor die eigentliche Arbeit beginnt.

7. “The way I see it, you should live everyday like it’s your birthday”

Diese Aussage muss sich auf die Projektabgabe beziehen. Frei interpretiert: Arbeite jeden Tag so, als wäre morgen Abgabegabetermin, GoLive, DAS Meeting oder DER Kundentermin. Zum Schlafen, Trödeln, Pausieren ist nach dem Tod noch genug Zeit. Zahlt sicher auf These 3: Just walk ein. Die eine Seite von „wie Dein Geburtstag“ ist natürlich die unmittelbare Zeit davor mit ihrer Anspannung, dann zugleich aber auch das Erlösende, die Party ist da, das Ding ist fertig, der kurze Moment des Bergüberschreitens, kurz innehalten, genieße, bevor das Aufräumen, Nachbessern unter Echtzeitbedingungen losgeht. Diesen Augenblick schnappen und festhalten.

8. “I’ve made all my money on my own without my family and I work very hard, … Just listening to my father . . . So just basically following that and following my heart.”

Zum einen wird hier die klassische protestantische Haltung wiederbelebt: Arbeite (hart) und Bete – auf der anderen Seite wird doch die Referenz zur Familie aufgemacht, indem dem Vater zugehört wird. Hart arbeiten ist für das Rollenverständnis des Projektmanagers selbstverständlich und bedarf keiner weiteren Ausführung – aber die Sache mit dem Vater ist entscheidend.

Ihr Vater ist erfolgreicher Geschäftsmann, dem kann man also sogar als Tochter zuhören, obwohl man sein Geld natürlich selbst macht. Wenn also ein erfahrener Projektmanager in der Nähe ist, keine Berührungsängste haben, sondern vom angesammelten Wissen profitieren, sofern die Situation vergleichbar ist. Im Anschluss wieder Eigenmodus anschalten und ruhig mal dem Bauchgefühl folgen. Die Mischung macht’s.

9. “I don’t want to be known as the granddaughter of the Hiltons. I want to be known as Paris.”

Unterm Strich sollte ein eigener Name stehen. Nicht die Kopie eines Stils.

Das ist das Schwierigste, aber deshalb ist es ja die letzte These, mit der Umsetzung kann und sollte man sich Zeit lassen, denn von einem geerbten Etikett zu einem eigenen Label zu kommen (hier mit dem Namen einer französischen Weltstadt) ist auch für einen versierten Projektmanager ein hartes Stück Arbeit.

But anyway, life ist too short to blend in, isn’t it? It is.

Die Original Statements finden sich unter:
http://www.mrselfdevelopment.com/2010/01/9-success-lessons-from-paris-hilton/

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2 thoughts on “Was Paris Hilton zum Rollenverständnis des Projektleiters beizutragen hat.

  1. Frau Hilton wird unterschätzt, mir hat der Artiel in der Brand Eins gefallen. Und was man für sich daraus schliessen kann? Das, was man macht, intensiv zu tun und kein Mittelmaß zu zulassen. Und sich seiner Einigartigkeit bewusst werden. Los gehts. 😉

  2. Wie Heinrich Heine schon sagte: “Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris.”

    Ich würde das so ändern: “Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet Paris auf den Boulevards.”

    Ist das schon Blasphemie, wenn man sagt, dass Gott sich mit Boulevard… unterhält?

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