Sich überschlagende Welle

Projekte verlaufen immer wellenförmig!

Das die Ereignisströme in Projekten immer wellenförmig verlaufen könnte eine allgemeingültige Formel aus der einschlägigen Fachliteratur sein oder nur ein Erfahrungswert oder beides. Eine Tatsache ist es so oder so.

Nur – welche Wellenform?

In der Meeresbiologie werden maßgeblich vier Wellenformen unterschieden:

1.    Die sanfte, gleichförmige Welle.
2.    Die Große, die zum Ufer hin ausläuft.
3.    Die sich Überschlagende.
4.    Die sich Überlappende, zum Ufer hin Aufbäumende, das Land wegfressende Steigerungswelle.

Um vorne anzufangen:

1.    Die sanfte, gleichförmige Welle.

Konstant laufende Welle

Wie in der Natur ist auch diese Form in der Projektlandschaft selten anzutreffen. Projekte verlaufen in der Regel wenig gleichförmig, weder als Plätschern noch als heftiges Dauerstakkato. Sie haben eher Höhen und Tiefen. Diese Wellenform gibt das nicht her. Sie ist vom ruhigen, gesitteten Typ. Sie könnte als Masterfolie für den idealen Projektverlauf dienen, das Ziel einer gleichförmigen Auslastung des Teams, der Beziehung zum Kunden und der Kommunikationslinie. Sie enthält ein gewisses Auf- und Ab, aber niemals zuviel von etwas. Es ist die pazifische Wellenform, des sanften Schaukelns an Bord, was gut tut, die Nerven schont und gesittet am Ufer ausläuft. Methoden zur Erreichung dieses irdischen Elysiums könnten sein: der perfekte Projektplan, die 100% abgesicherte Anforderungsliste, das Top Team, das großzügige Budget … Wer diese Projektwelle schon mal gesehen hat, bitte melden.

2.    Die Große, die zum Ufer hin ausläuft.

Auslaufende Welle

In der Natur der häufigste Typ. Von See kommend, groß und hoch, aber nicht kabbelig, sondern majestätisch im Lauf aufs Ufer zu, sich in der Bewegung abbauend, am goldenen Strand auslaufend. Fürs Projekt heißt das: heftige Vertragsverhandlungen zu Beginn, viel Arbeit bei der Anforderungsanalyse und dem Formulieren des Pflichtenhefts, hohe Schwingungen beim Zusammenstellen und Zusammenwachsen der Ressourcen, im Projektverlauf sich einschwingende Prozesse, sukzessives Erfüllen der Anforderungen, erfolgreicher Projektabschluss. Klingt noch mehr nach pazifischem Ozean und Hängematten-Glück unter Palmen? Ja, eventuell, setzt aber die große Welle zu Projektbeginn voraus.

3.    Die sich Überschlagende.

Sich überschlagende Welle

Ganz großes Kino. Erinnert sofort an Surfer Filme auf Hawaii mit Kamerablick auf den Surfer, der im kristallklaren Wellentunnel seinen Endorphine Kick bekommt. Im Inneren der Welle ist es ruhig, außen faszinierendes Getöse. Rauschen ohne Ende. Donnergrollen zum Finale. Nicht untypisch, diese Verlaufsform. Das Projekt startet mit einem großen Meeting oder Workshop, in dessen Verlauf diverse Themen ausgelotet werden, um ein Anforderungskatalog zu erstellen. Dieser wird solange hin- und hergeschaukelt, bis die nahezu finale Version steht und die Entwicklung beginnen kann. Das Wellental wird erreicht, die Parteien kümmern sich um ihre Teilaufgaben und das Projekt nimmt seinen Lauf. Nun wird das Wellental durchschritten und die Wassermengen türmen sich wieder auf. Es kommt Gegenwind auf. Die Lücken im Anforderungskonzept ziehen erste Änderungen nach sich, die die Last auf das Team erhöhen, neue Spezifizierungen nach sich ziehen, neue Budgetdiskussionen auslösen, Meilensteine werden von den aufkommenden Wassermassen immer enger zusammen geschoben, bis die große Welle bricht und in einem riesigen Bogenwurf aufs Ufer zurollt.  Dann erlösendes Getöse mit Agreements auf allen Seiten, man will zur Tagesordnung übergehen und hat Interesse an einer Win Win – Situation. Das Projekt endet hier und geht in den Regelbetrieb über. Tusch, Paukenschlag. Next one, please.

4.    Die sich Überlappende, zum Ufer hin Aufbäumende, das Land wegfressende Steigerungswelle.

Sich überlagernde Welle

Nicht so häufig anzutreffen wie die sich Überschlagende, aber noch oft genug und mit leidlich bösem Ausgang. Die Ursachen für diesen Wellen- respektive Projektverlauf sind so bekannt, wie vielfältig, wie komplex, wie vermeidbar, wie undurchschaubar. Am Ende knallt die Riesenwelle brutal gegen das Ufer, haut das Ganze in Stücke und lässt keinen Gewinner zurück. Hier addieren sich stetig wachsende Anforderungen zu nicht passenden Skills zu enger werdenden Terminen zu verkehrter Höflichkeit zu unglücklicher Verkettung Murphyscher Ereignisse. Schicht über Schicht und gerade weil das Ganze langsam anwächst knallt die Welle ungebremst gegen das normalerweise rettende Ufer. Irgendwie endet es dann ja auch, aber dafür ist verdammt viel Landmasse zerstört worden. Unökonomisch. Natürlich wäre das zu vermeiden gewesen, wenn man sich von Anfang an an die bekannten Regeln gehalten hätte: Saubere Formulierung der Anforderungen, technische Machbarkeit der Konzepte prüfen, Schätzungen hinterfragen, Puffer einbauen, Änderungen abwägen, aber wer weis hinterher woran genau es gelegen hat, wann die Welle immer mächtiger wurde, wann der Zeitpunkt verpasst wurde zur Seite auszuscheren und der Wassersäule den Rücken zu kehren. Der werfe den ersten (Meilen-)Stein.

In diesem Sinne: Projekte verlaufen  i m m e r  wellenförmig!
q.e.d.

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