Scrum – klassisches PM unter der Haube einer schlanken (lean) Karosserie?!

bitteIst Scrum eigentlich ein verschlanktes, klassisches PM? Nun, diese Fragestellung und die damit verbundenen Antworten werden in der agilen Welt eventuell nicht so aktiv diskutiert, aber bestimmte Punkte kommen alten PM-Hasen doch verdächtig bekannt vor und müssen jetzt hier und heute angesprochen werden:

vorsicht

  1. Kurze, tägliche Team-Meetings, um Stände abzufragen = Daily Scrum.
    These: hat man immer schon gemacht, sonst weiß nachher keiner wo die Reise hingehen sollte und es gibt immer was zu lösen, damit das Projekt vorankommt.
  2. Längere Planungsmeetings, um die nächsten Wochen vorzubereiten = Sprint Plannings
    These: Kam man früher auch nicht dran vorbei. Hat man schon mal ausschließlich mit dem technischen Teamleiter gemacht und nicht mit dem ganzen Team. Hat dann deutlich weniger Stunden verbraucht, aber, zugegeben, es war nur das Kommittent vom Teamleiter, nicht vom ganzen Team!
  3. Rückbetrachtungen, was war gut, was war schlecht = Sprint Reviews.
    These: In einem engagierten Projektteam wird immer darüber gesprochen, was gut, was schlecht lief. Ohnehin hat jeder ein eigennütziges Interesse daran, dass es besser läuft. Neu und richtig gut aber ist die feste Verankerung dieses Review-Rituals, d.h. das Team weiß immer, nach einem Sprint kann es Beiträge zur kontinuierlichen Verbesserung machen. Das hilft und heißt da draußen Kaizen.
  4. Tasklisten, die priorisiert sind und die Restaufwände aufsummieren = Product Backlog/ Sprint Backlog.
    These: Wie sollte man ohne Übersicht über die Restarbeiten ein Projekt steuern können? Wie sollte man ohne Priorisierungsarbeit und -diskussion (intern & mit Kunde) entscheiden, was angesichts eines immer engen Zeitplans GoLive relevant ist und was später (Phase 2) veröffentlich werden kann? Geht nicht. Gab’s also schon. Vorteilhaft ist es aber, dass es dank Scrum dem ganzen Team klar ist, dass diese Infos (Bewertung der Restaufwände) wichtig sind, um am Ende mit dem Kunden (Product Owner) die Prioritäten durchgehen zu können.
  5. Laufende Konzeptdetaillierung je weiter das Projekt fortgeschritten ist und je tiefer man in den Task einsteigt = Sprint Planning mit fachlichen Beiträgen vom Product Owner und technischer Durchdringung seitens Team.
    These: Super alter Hut, na, mal abgesehen vom Brückenbau, wo sich der Ansatz Wasserfall wohl im Laufe der Jahrhunderte grob bewährt hat, wenn auch da Agilität gefragt ist, im Sinne von:“ Chef, wir sind da gerade auf eine alten Pulverturm aus dem 16ten Jahrhundert gestoßen – sollen wir das ignorieren und weitermachen oder den Stadtarchäologen Bescheid geben?“ Wenn der GoLive gehalten werden soll, besser nicht den Archäologen Bescheid geben.
    Aber zurück zur eigentlichen Frage: laufende Detaillierung oder am Anfang ein dickes Buch mit allen Eventualitäten verfassen. Tatsche ist, dass sich selbst in noch so vielen Seiten nicht alles bis zum allerletzten Detail beschreiben lässt. Aufgrund der zunehmenden Komplexität der verzahnten Systeme beschäftigt man sich besser mit bestimmten Fragestellungen en Detail erst, wenn sie auch wirklich dran und kriegsentscheidend sind.

treppeWas Scrum wirklich 1a macht, ist das enge Fortschritts-Tracking der Tasks, die erhöhte Verantwortung des Teams für die zu liefernden Ergebnisse (Produkte) und die nicht zu verhandelnde Taktfrequenz der Meetings und Lieferzeitpunkte – denn zu verhandeln gibt es in einem Projekt ohnehin schon mehr als genug, da ist jeder fixe Rahmen Gold wert. Ich rede jetzt mal nicht darüber, dass man früher (BS*) auch schon feste Termine (Meilensteine) kannte.

gebohnertWas bleibt am Ende übrig?

Scrum ist ne richtig feine Sache, könnte sich noch eine Scheibe von klassischen Elementen (u.a. Budget & Risk Management) abschneiden – aber soll mal bitte nicht so tun, als wäre es vom Himmel gefallen.

*BS = Before Scrum

Aktuelle Scrum-Bücher: 

  1. Peter Hundemark: “Scrum besser machen.Eine inoffizielle Sammlung von Tipps und Einsichten für eine gute Scrum-Umsetzung”, 2te Ausgabe 2009
  2. Henning Wolf, u.a.: “Die Kraft von Scrum. Inspiration zur revolutionärsten Projektmanagement-Methode”, Addison-Wesley 2012
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