Sherry – Das Aschenputtel unter den Weißweinen

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Sherry pur.

Noch vor gut einer Woche hätte im zum Thema Sherry gesagt: Oma-Getränk.

Dies Vorurteil wurde mir auf der kleinen Nordsee-Insel Langeoog auf das Angenehmste ausgetrieben.

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Zuviel Sherry.

Das liegt zum Teil ganz klar an der profunden Erzählkunst von Deutschlands erstem Sherry Botschafter Michael Recktenwald zum anderen Teil am Getränk selbst.

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Sherry für Verliebte.

Michael Recktenwald ist Küchenchef im Seekrug auf Langeoog und erläutert einem – während man schon trinkt und Ostfriesische Tapas ist – so en Passant die Geschichte und Herstellung des Sherrys. Das geschieht einerseits mit Fakten: Sherry wird nur in der kleinen Region um die Stadt Jerez in Andalusien hergestellt, als auch mit Anekdoten: Die Briten versuchten 1625 den Hafen von Cádiz zu erobern, was misslang, aber sie stahlen 1.000 Fässer Sherry, woraufhin die Briten zu den größten Sherry Fans neben den Spaniern wurden. Heute würde das in die Kategorie Guerilla Marketing fallen.

Sherry ist Weißwein mit Schnaps. Um ihn für die Seereise haltbar zu machen. Das alleine ist ja schon spannend zu erfahren, während man an seinen Nordseekrabben in Aspik knabbert. Aber dann kommt es: Das Solera-Verfahren. Es handelt sich dabei um eine Fässer-Kaskade, in der an der Spitze der junge Wein eingefüllt wird, darunter folgen jeweils ältere Schichten Weißwein mit Schnaps bis zu den Fässern, die am Boden liegen, in denen der älteste Wein lagert, der dann zum Genießen entnommen wird, worauf hin oben wieder nachgefüllt wird – was dann gegen unendlich läuft. Somit ist Sherry und Jahrgang ein Widerspruch in sich.

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Sherry gezeichnet.

Nun gibt es neben der Fässer-Kaskade noch eine Besonderheit, die den Sherry zum Geschmackserlebnis macht: die Hefe, hier Flor genannt. Die Fässer werden nur zu 5/6 gefüllt und haben oben Platz für Luft und durch das feuchte Meeresklima bildet sich eine Hefeschicht heraus, die den Wein vor Oxidation schützt und dem Sherry seine wunderbare Würze verleiht.

Michael Recktenwald hatte an dem besagten Sherry-Vorurteilsbekämpfungs-Abend sechs (6 !) verschiedene Sherry Varianten zur Verkostung bereit gestellt. Das fing ganz harmlos an mit einem jungen, durchsichtigen Typen, der frisch daher kam und locker mit den Nordseekrabben kooperierte, ging weiter über einen Oloroso zum Amontillado, der sich kräftig ins Zeug legte um gegenüber der gut gewürzten Kürbissuppe nicht unterzugehen, was ihm aber spielend gelang. Der Amontillado war dann auch nicht mehr von heller Farbe sondern spielte mit kräftigen, Ostfriesentee-Farben mit leichtem Hang zum Trüben. Der war ganz klar eine echte Ansage, die die Freunde und Feine teilte. Vereinen konnte man sich dann wieder beim Dessert (Schokokuchen, Praline, Heidelbeer-Eiskugel und weiße Mousse) und dem gaumenschmeichlerischen Palo Cortado. Der Bursche hat 22%, tropft ähnlich einem altersweisen, dunkelfarbenem Balsamico ins Glas und will sofort gekauft werden. Die ganze Sherry-Tasting-Runde war sich einig, dass das der krönende Abschluss war und nun nur noch ein Gang durch die Langeooger Dünen unter Sternenhimmel den Schmerz lindern konnte, das wir nicht in einer Bodega neben den Sherry-Fässern übernachten konnten.

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80er Sherry.

Sollten Sie mal auf Langeoog sein, ist Michael Recktenwald und sein Sherry-Tasting gang sicher One Place of one hundred in which you must have tasted six different sherries before you die.

  1. Sherry auf Wikipedia
  2. Sherry-Schulung im Seekrug
  3. Sherry im Seekrug-Online-Shop (etwa bis zur Mitte scrollen, an dem ganzen Sanddorn-Gedöns vorbei)
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One thought on “Sherry – Das Aschenputtel unter den Weißweinen

  1. Moin Herr Lohmeier,

    vielen Dank für den gelungenen Beitrag, der mir sehr gefällt.
    Es freut mich atürlich auch, dass Sie am Sherry Gefallen gefunden haben.

    Ein kleiner fachlicher Fehler ( muß ich mir ja auch selbst ankreiden, ich war ja der Lehrer :-)) ) ist Ihnen unterlaufen, der Sherry zum Dessert war nicht der Palo Cortado, der ist trocken, es war der Pedro Ximenes, vielleicht können sie dass in Ihrem Blog ja noch korrigieren.

    Ich freue mich auf ein Wiedersehen im nächsten Oktober

    mit freundlichen Inselgrüßen

    Michael Recktenwald
    Sherry-Ambassador, Sherry-Educator, Küchenmeister
    1. Vorsitzender KSA ( Kitesurf- und Snowkite Association e.V. )
    Restaurant ‘Seekrug’ & Hotel ‘Strandeck’
    Höhenpromenade 1
    26465 Langeoog
    0049 4972 383
    http://www.seekrug.de
    http://www.strandeck.de
    http://www.ksa-international.org

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